Gesunde Pferde - Harmonisch Reiten
Gesunde Pferde - Harmonisch Reiten

Umstellung auf Barhuf

Gehen wir von einem einigermaßen gesunden Huf aus, können wir annehmen, dass das Pferd in den meisten Fällen nach der Erstbehandlung einfach nur besser läuft als vorher.
Leider kommen aber die allermeisten Pferde mit erheblichen Vorschädigungen zu mir und ich bin oft die letzte Tür vor dem Schlachter. Dementsprechend gibt es in den Hufen auch schon starke Vorschädigungen und der Heilungsprozess nimmt einige Zeit in Anspruch.

 

Gibt es keine (oder wenig) Vorschädigung, geht die Umstellung rasch, problemlos und angenehm von sich.

 

In sehr vielen aufgegebenen Fällen habe ich auch dann, wenn schon alles andere versucht worden war, noch die vollständige Genesung des Pferdes erreicht. Allerdings ist der Weg dorthin nicht immer nur einfach.

 

Ein Huf, der über längere Zeit eine unnatürliche Form hatte - zwei Jahre reichen oft schon völlig, um einen großen Schaden zu verursachen - wurde über die gesamte Dauer dieses Zustandes nicht ordnungsgemäß mit Blut versorgt.

Nicht nur, dass dadurch die Nerventätigkeit "ausgeschaltet" war und die Hornqualität schlechter wurde; die Huflederhaut im Innern hat ebenfalls begonnen, abzusterben, denn dauerhaft unterversorgtes Gewebe nekrotisiert - erleidet Verfall.

 

Im Huf ist kein Platz oder Sinn für "totes Gewebe". Solches wird normalerweise vom Körper ausgeschieden. Da aber in einem schlecht durchbluteten Huf auch kein normaler Stoffwechsel stattfinden kann, verbleibt das abgestorbene Gewebe erst einmal, wo es ist, da es nicht als solches erkannt werden kann.


Bis der Huf durch richtige Hufbehandlung in eine Form gebracht wird, die wieder Blutversorgung in ausreichendem Maße erlaubt. Dann wird all das nekrotische Gewebe erkannt und der Ausstoßungsprozess beginnt: Hufgeschwüre.

In der (von uns aus) oberen rechten Ecke des Hufes, dem Bogen zwischen Eckstrebe und Trachte, hat es ein Hufgeschwür gegeben. Als das Horn darüber weggeschnitten wird, kommt es zum Vorschein. Unter dem alten, jetzt entfernten Horn ist berteits neue Sohle gebildet worden, das Pferd hat keine Probleme beim Laufen, da das Geschwür bereits ausgeheilt ist. Der Unterschied ist lediglich noch an der Farbe und Konsistenz des Hufhorns zu erkennen. Laut Besitzerin hat man von dem Geschwür kaum etwas gemerkt - das Pferd ging zwei Tage etwas unklar, jedoch trat keine richtige Lahmheit auf.

Man kann teilweise beobachten, dass auf barhuf umgestellte Pferde anfangs einige Hufgeschwüre entwickeln, durch die sie alte Schäden hinausbefördern: die abgestorbenen Teile werden mit Eiter umschlossen und als Abszess ausgestoßen. Dies geschieht eine gewisse Zeit in (je nach Fall) kürzeren oder längeren Abständen zwischen den einzelnen Abszessen. So lange, bis der Huf gereinigt ist. Danach ist in der Regel "Ruhe" und das Pferd sehr zufrieden mit seinen Hufen.

 

Die Schäden, die herauskommen, sind nicht durch das Schneiden verursacht, sondern nur "zum Leben erweckt" worden, sodass sie heilen und verschwinden können. Bei nicht (oder kaum) vorgeschädigten Pferden wird es normalerweise keine "Probleme" in Form von Hufgeschwüren geben.
Natürlich ist die Zeit mit Hufgeschwüren nicht gerade schön und es kann durchaus sein, dass das Pferd zwischendurch sehr schlecht läuft. Allerdings sollte man sich vor Augen halten, dass dies vorübergeht und Gesundung bedeutet.

 

Durch die richtige Hufpflege geschehen folgende Dinge:

  • Hufmechanismus wird (wieder-) hergestellt (durch richtige Hufform)
  • eventuelle Schiefen werden korrigiert
  • die Hufe weiten sich langsam auf ihre richtige Größe (falls nötig)
  • Altschäden werden hinausbefördert
  • Stoffwechsel und Kreislauf werden positiv beeinflusst
  • das ganze Pferd wird gesünder

 

Hier als Beispiel der Verlauf eines starken Hufgeschwüres bei meiner Stute Rubina:


Hufgeschwüre treten relativ plötzlich auf und die Lahmheit wird meist schnell stärker. Ich wollte mit Rubina ausreiten. Als wir starteten, lief sie ganz normal, willig und klar. Nach unserem ersten Galopp trat sie minimal kürzer (ich reinigte die Hufe - diese waren aber leer, also ignorierte ich es erst, da es kaum merklich war). Nach weiteren zehn Minuten begann sie, merklich zu lahmen. Natürlich stieg ich ab, kontrollierte erneut und trat den Heimweg an. Nach Hause kam ich zu Fuß laufend... Rubina führte ich und sie lahmte sehr stark. All das innerhalb von noch nicht einmal einer Stunden.

Ich konnte das Geschwür sofort öffnen, der Eiter floss ab und Rubina lief wieder normal. (Wir öffnen Hufgeschwüre grundsätzlich nicht tief, sondern stellen nur ein Abflussloch her. Alles andere würde die Huflederhaut verletzen, was nicht in unserem Sinne ist und würde eine viel längeren Heilungszeit zur Folge hat. Hingegen kann ein Pferd, dessen Lederhaut wie beschrieben nicht verletzt wurde, quasi sofort wieder normal seinen "Alltag" verfolgen.)

Nachdem circa zwei Wochen vergangen waren (sie lief in dieser Zeit wieder ganz normal), schnitt ich ihre Hufe nach und konnte feststellen, wie groß das Geschwür gewesen war:

 

Die Größe des Hufgeschwüres im Endeffekt: fast ein Drittel vom Huf war betroffen. Hier wurde "Abfallgewebe" ausgestoßen. Darunter war bereits wieder neue Sohle.

Natürlich war dies glücklicherweise ein mustergültiger Verlauf. Nicht immer geht es so  schnell. Aber grundsätzlich kann man sagen: Hufgeschwüre sind etwas natürliches und sie erfüllen einen Zweck. Wenn der Huf von schlechtem Gewebe gereinigt ist, produziert er auch keine Hufgeschwüre mehr ud die Pferde sind von da an auf gesunden, starken Barhufen unterwegs.

In manchen Fällen gibt es auch "Kron-randgeschwüre".

 

Beim Bild rechts handelt es sich wieder um Rubina - sie hatte so enge, gezwängte Hufe, dass eine ganze Weile immer wieder diverse Hufgeschwüre entstanden. Das Geschwür auf dem Bild ist bereits offen, es störte sie beim Gehen schon nicht mehr und sah einfach nur unschön aus. Rubina lief ohne Auffälligkeiten.

Ein Kronrandgeschwür bei einem anderen Pferd, das wegen ständiger Lahmheit und diagnostizierter Hufrollenerkrankung mit damals 7 Jahren getötet werden sollte und nun wieder laufen kann und geritten wird. Das Geschwür ist auf dem Bild beinahe herausgewachsen. Probleme macht es schon seit geraumer Zeit nicht mehr, aber man sieht es noch so lange, wie der Huf nicht ganz durchgewachsen ist. Damit keine Kanten entstehen, die ein Ausbrechen des Hufes herbeiführen würden, wurde es mit der Raspel etwas berundet. Der Huf ist noch nicht sehr "schön", die Hornqualität noch eher spröde, aber er befindet sich auf dem Weg der Besserung und das Pferd kann bereits normal geritten werden. Bis der Huf auch in der Hornqualität ein optimales Erscheinungsbild hat wird noch einige Zeit vergehen.

 

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